Himmel durchqueren
um Lichtgirlanden zu winden

von
Michele Vacchiano



Là, tout n'est qu'ordre et beauté,
Luxe, calme et volupté.

(Charles Baudelaire)



Es ist gar nicht so einfach für mich, ganz objektiv über die Alpen zu sprechen, dort wo ich lebe, arbeite und auch meine Freizeit verbringe.
Ich liebe die unendliche Freiheit der Wiesen und Weiden, die Stille des sonnigen Steinbrüche, das sich immer wandelnde Rauschen der Bäche.
Aber vor allem die eisige Reinheit der Gletscher, leuchtende Lichtquellen, beeindruckend wie die Wüste und belebt wie das Meer. Nichts ist vergleichbar mit dem Gletscher, der sich unter deinen Füssen bewegt, der atmet und pulsiert wie ein Lebewesen, ein zerbrechlicher Drache, der dich in einem Augenblick verschlingen kann, Spender unvergleichlicher Schönheit, für den, des ihn kennt und zu schätzen weiss.
Die Wahrnehmung des Gletschers versetzt mich in einen Betrachtungs ähnlichen Zustand, meine Sinne werden schärfer und aufnahmebereiter, was auch eine Voraussetzung für das Fotografieren selbst ist.
Erst wenn der Geist und die wahrgenommene Wirklichkeit eins sind, wird Kommunikation möglich: durch Bilder, durch die eigene Weltsicht und durch die tiefe Beziehung, die man mit dem Subjekt eingegangen ist.
Darin besteht das wirkliche Abenteuer: ein inneres Abenteuer, das verändert und bereichert.
Sich lautlos bewegen können, mit grösster Achtung, ohne das Rascheln der Bäume und Berge zu stören, das Gemurmel des Waldbewohner, die Riten des kleines beflügelten Volks, das in Blumen und Blüten zu Hause ist.
Und in Dankbarkeit wieder gehen können, ohne Spuren zu hinterlassen.
Darin liegt die tiefe Bedeutung unserer fotografischen Botschaft. Und wenn einer der Betrachter diese Botschaft teilt und sich zu eigen macht, dann hat unsere Arbeit wirklich ihr Ziel erreicht.
Es ist ein Zeichen, das wir in der Welt gelassen haben. Eine zarte Silberspur, die zurückbleibt an Ende unseres Weges.


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© Michele Vacchiano 2001.